Die Hitzeschlacht vom Olympiapark
Hallo Sportsfreunde,
ihr habt es richtig erkannt. Ich bin es wieder :P Nachdem ich mich ja schon vor ein paar Tagen zu Wort gemeldet habe, und über meinen ersten Marathon berichtet habe, und was sonst noch drum herum passiert ist, kommt jetzt ein bisschen was zum Halbmarathon München bzw. "Frühjahrslauf München" wie er offiziell genannt wird. :)
Die Vorbereitung für den HM München war recht schwierig, da er 3 Wochen nach dem Marathon ja doch recht früh kam. Der Marathon hat natürlich Kraft gekostet, auch wegen der Teilweise nicht einfachen Strecke und der Hitze. In der 1. Woche nach dem Marathon war völlige Regeneration angesagt. Urlaub in der Heimat. Die Woche drauf bin ich dann wieder die ersten Einheiten gelaufen, und auch schon das ein oder andere kleinere Intervall gelaufen. Aber im großen und ganzen noch nichts belastendes. Auch weil ich mittlerweile weiß, das ich 2-3 Einheiten brauche, um wirklich wieder in diesen Laufrythmus zu kommen. Dann waren wir auch schon bei der letzten Woche vor dem HM. Eigentlich sollte man ja jetzt keine größere Belastung mehr laufen, aber ich brauchte definitiv noch mindestens eine richtig schnelle Einheit, damit der Körper "wach wird". Ich habe mich mit meiner Trainerin, Bianca Meyer, abgesprochen und wir entwickelten zusammen einen Plan für die letzte Woche, welche 3 leichte Trabläufe enthielt. Und 1x Intervalltraining mit 4x1000m schnell ( 4:37, 4:20, 4:07, 3:45 ) mit jeweils 2.5min Trabpause. Außerdem hab ich an einem Tag Alternativtraining betrieben, und war in der Kletterhalle. Dort habe ich noch ein wenig Kraft und Koordination geschult ;). Die Woche verlief sehr gut, auch wenn ich ein paar Probleme mit dem Magen bekommen habe.
Der Tag war gekommen. Sonntag, der 08.05.2011. Ich traf mich mit der Running Company 9.00 Uhr vor dem Eingang der Schwimmhalle im Olympiapark. Bereits kurz nach 9.00 Uhr konnte man ahnen, wie warm es später auf der Strecke werden würde, und ich habe schon angefangen ein wenig zu zweifeln, das ich eine neue Bestzeit laufe. Denn die Wärme sagt mir wirklich absolut 0 zu. Das hasse ich wohl am meisten am laufen. Wir liefen uns 10 Minuten warm. Danach noch ein wenig Lauf-ABC und Gymnastik. Die Beine waren fit. Nur der Kopf wollte irgendwie noch nicht so richtig. Ich habe mir vor dem Start natürlich wieder meine Durchgangszeiten aufs Handgelenk geschrieben. Irgendwas um die 1:43:00 rum sollte es werden. Meine aktuelle offizielle Bestzeit lag bei 1:52:40 - gelaufen beim Marathon vor exakt 3 Wochen.
Ich reite mich in die 2. Reihe des Startblockes ein. Es war mittlerweile schon sehr warm. Und es war erst kurz nach 10:00 Uhr. Ich ahnte schon was da auf mich zu kommt. Der Startschuss viel und ich ging mit einem 4:30 - 4:25 Schnitt auf den ersten Kilometer. "Zu schnell" - dachte ich mir nur. Ich kannte den 5km Rundkurs sehr gut. Ich laufe hier eigentlich beinahe täglich. Ein kleines Heimspiel also. Dadurch wusste ich auch sehr gut, das der Rundkurs 2 Steigerungen über 100-200m enthält, die es in sich haben. Ich werde also noch jede Kraftreserve brauchen, und recht schnell fing ich an das Tempo herunter zu fahren auf ~4:40. Auch noch zu schnell, laut Zeitvorgabe der Trainerin. Aber ich fühlte mich gut und beließ es erstmal dabei. Der Rundkurs war recht schwierig zu laufen. Ständiges auf und ab. Kurven. Untergrundwechsel. Hitze.
Worüber ich mich super gefreut habe, war die Anwesenheit von Tom und Family. Ich war schon ein wenig überrascht, als auf einmal jemand kurz vor der ersten Zeitmessung meinen Namen gerufen hat :P Das hat mir wirklich nochmal einen guten Auftrieb gegeben. So habe ich die erste 5km Runde in 00:22:35 abgeschlossen und es lief trotz allen Befürchtungen sehr gut. Kurz nach dem Start/Ziel war die einzigste Verpflegungsstation."Viel trinken bei der Wärme" - dachte ich mir nur und habe mir die ein oder andere Sekunde mehr Zeit gelassen, um auch wirklich in Ruhe und genug zu trinken. Also auf ging es in Runde 2. Die lief auch sehr gut. So langsam wurde ich warm, genauso wie die Temperaturen. Die Sonne knallte langsam ganz schön. Es gab Streckenabschnitte, wo man in der puren Sonne gelaufen ist. Nicht sehr angenehm, aber da musste man durch ;). Zuschauer waren recht viele an der Strecke. Aber war ja auch kein Wunder bei dem Wetter und der Kulisse ;).
Die Steigerungen ging ich bewusst sehr langsam an. Eine sehr gute und schlaue Entscheidung wie ich später festgestellt habe. Ich habe das Tempo bewusst ein ganz klein wenig raus genommen. Ich wollte nicht das am Anfang der 3. Runde schon der Mann mit dem Hammer auf mich wartet ;). So habe ich die 2. Runde dann mit 23:30 abgeschlossen. Ende der 2 Runde, habe ich dann auch schon mein erstes und einzigstes Gel genommen, da man ja nur alle 5 Kilometer die Möglichkeit hatte etwas zu trinken, und da ich leider nicht der Typ bin, der die so pur runter bekommt, blieb also nichts anderes übrig. Ich hätte es gerne 3 Kilometer später genommen. Wieder habe ich mir viel Zeit gelassen bei der Verpflegungsstation. Auf ging es in die 3. Runde. Nun wollte ich das Tempo eigentlich nur noch halten, um über die Runden zu kommen bis zum Schluss. Wusste ich doch das ich sowieso schon viel schneller war, als es eigentlich ausgemacht war, und ich es für möglich gehalten habe. Die 3. Runde verlief eigentlich auch noch ohne größere Schwierigkeiten, die Steigerungen bin ich wieder sehr langsam angegangen. So ziemlich alle, die da an mir vorbei gerauscht sind, sollte ich später nochmal einmal wieder gesehen haben ;). Gegen Ende der Runde merkte ich dann aber doch langsam die Beine. Auch die Hitze wurde immer stärker.
So kam ich wieder auf Start/Ziel Kurve. Wieder abgeklascht mit Tom, der mir wie jede Runde die Zwischenzeit durchsagte. Super Service ;). Wieder bin ich ungefähr mit einer 23:30 durchgelaufen. Tempo also konstant gehalten. Und die Beine waren auch noch recht gut dabei. Hatte also alles richtig gemacht. So kam dann die letzte Runde mit anschließender Schleife. Ab Kilometer 2 der letzten Runde musste ich dann auch anfangen zu beißen. Ich wollte den 4:30-4:40er Schnitt unbedingt halten. Und dann tauchte auf einmal meine Trainerin hinter mir auf und lief aufeinmal neben mir. Mein persönlicher blonder Engel ;) Sie schrie mir zu: "Du siehst noch locker aus Ron!". "Schau dir die anderen an. Die gehen alle schon ein und du kannst noch ne Schippe drauf legen". Sie munterte mich fast einen ganzen Kilometer auf. Und aufeinmal war ich wieder bei einem 4:35er Schnitt ;). Sie hat mich bis zum Schluss begleitet. Mich mitgerissen. Immer als es bergab ging schrie sie: "Die Knie hoch! Lass die Beine einfach laufen. Bring einen schönen Schritt rein!". Wir waren mittlerweile bei Kilometer 19-20 und ich musste schon richtig beißen. Also das letzte mal durch Start und Ziel gelaufen! Runde 4 mit einer 23:50 beendet! Ich war ein wenig überrascht, da ich eigentlich gedacht habe, das ich ein wenig an Tempo verloren habe.
Auf ging es zum letzten Kilometer. Der war nochmal richtig gemein, denn da kam nochmal ein langer Anstieg. Die Beine haben gebrannt. Krämpfe kamen wieder. Bianca feuerte mich an. Trieb mich richtig nach vorne. Schleife gelaufen. Noch einen letzten 100m Zielsprint und dann war ich endlich im Ziel. Völlig ausgepowert. Aber überglücklich. Die letzten 1,1km bin ich in 5:30 gelaufen. Da wäre vielleicht noch ein wenig was drinne gewesen, aber hey . . . ;).
Letzendlich habe ich eine Nettozeit von 1:39:15 gehabt und war überglücklich. Zudem hatte ich mir mit 8 Minuten Abstand den 1. Platz in meiner Altersklasse gesichert. Besser konnte es also nicht laufen. Mehr war aber auch nicht drinne bei der Wärme und der doch recht anspruchsvollen Strecke. Das einzigste, was mir wirklich gefehlt hat, war ein 2. Verpflegungspunkt auf der Strecke. Alle 5 Kilometer war doch ein wenig dürftig bei dem Wetter. Der Platz wär da gewesen auf der Strecke. Ansonsten eine super Veranstaltung mit viele Zuschauern, super Stimmung und freundlicher Atmosphäre.
Man läuft sich
Ron :)
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