Triathlon Magazin: Triathlon Rennberichte

Getty Images for IRONMAN

Schwimmstart Ironman NIzza 2016

Getty Images for IRONMAN

Gestern wurde die Fußball Liveübertragung der EM-Partie zwischen Polen und Nordirland aus Nizza gesendet. Die Stadt war wohl schon wie eine Woche vorher gut ausgebucht mit Besuchern und die Athleten waren für diesen wichtigen Tag in der Vorrunde gut vorbereitet aber dennoch aufgeregt. So stand ich eine Woche vorher auch an der Startlinie des Ironman Nice.

Zwar noch kein Sommermärchen, aber dennoch Temperaturen bis 20 Grad ausreichend, um im Meer zu schwimmen und im typischem Triathlon-Fummel an den Start zu gehen. Oh ja, ich habe noch hineingepasst in meinen Kiwami Rennanzug, nachdem es den Sailfish Neopren eine Woche grandios im Frontbereich gerissen hat. Unerwartet - der 15 cm lange Riss ist nicht auf der neuen harten Titan-Seite, sondern auf der erstarkenden linken Seite.

Es war also eher ein "Auf gut Glück" mit einem geliehenen Neoprenanzug, neuen Lauf- und Triathlonschuhen an den Start zu gehen. So richtig viel Wettkampfmodus hatte ich das Jahr noch nicht gesammelt. Mit Michael und Anja in Nizza war ich ausserordentlich gut gelaunt und bin ohne große Erwartungen in das Rennen und der nötigen Aufregung am Start.

Getty Images for IRONMAN

Rollender Start - eines der besten Änderungen im Triathlon

Getty Images for IRONMAN

6.30 Uhr Schwimmstart: gerade eben ist die Sonne aufgegangen und bis ich so richtig wach geworden bin, war ich auch schon in der Wechselzone auf dem Rad. Ok, so schnell springen will ich auch nicht. Der neue Schwimmstart ist super, so geordnet kennt man es nur in Londoner Bussen, immer schön der Reihe nach ins Wasser hineingelassen worden. Man hat in etwa so viel Kontakt mit anderen Schwimmern, wie bei einem Weihnachtsmarkt im Sommer.

Jetzt aber Radfahren, auf der Promenade raus Richtung Osten, bei der 10 km Marke gerade ein mal 14:30 min auf der Uhr. Wir wissen, dass hier nur noch 2100 Höhenmeter warten. Die erste Rampe - "standhaft" bleiben und nicht vom Rad herunterfallen, boah, das waren wirklich 430 Watt hier hoch? Dann ging es gefühlt permanent hoch, mal mehr mal weniger. Eher untypisch für 'nen Ironman Rennen - sieht man viele Rennräder, klassische Rennradkleidung um sich. Oft auch mit dick gefüllten Trikottaschen, als ob man nicht für Vollpension gezahlt hätte.
Die Kilometersteine purzeln nur langsam und man erlebt auch hier schon wieder Stories. Nein, ich habe kein gelbes Trikot an oder ein gelbes Rad, weiss auch nicht warum es solch rücksichtslosen Mitstreiter gibt, die ihren Natursekt auf der Straße verteilen müssen. Nicht nur ein mal, bäh!

Ok, im Rennen selber überholt man auch einige Nicht-Rennteilnehmer, gelassen schiebt man sich vorbei. Aber auch anders herum, überholt ein starker Radfahrer das Feld und grüßt freundlich. Eine gute Idee, werde ich mal in Roth am Solarer Berg mit meinem E-Bike machen, bekomme sicherlich viele "neue Freunde".

Getty Images for IRONMAN

Lange Steigungen beim Ironman Nizza

Getty Images for IRONMAN

Ja, wo es hochgeht - um so krasser wieder herunter. Und so richtig frei machen kann ich mich nicht, sprich ich fahre gezügelt. Werde links und teilweise rechts überholt. Es sind anspruchsvolle Abfahrt mit vielen Winkeln, Verengungen und zackige Kurven. Hier sind einige Krankenwagen im Einsatz, die W-Fragen erörtern wir später, jetzt lieber die Konzentration halten.

Jetzt 'nen Knaller! Ein Athlet links von mir rauscht förmlich vorbei und ähm, dem fehlt der rechte Arm?! Au backe, der hat seine Hand auf dem Lenker und fasst erst jetzt mal kurz nach vorne zum Anbremsen? Und ich klammere hier förmlich an den Bowdenzügen. Meinen Respekt und Hochachtung hat er, greift er jetzt auch noch in die schnellere Position am Unterlenker um.

Gut, ich fahre ich mein Ding und im Temporausch sehe ich links kurz die Arena hervorstechen, ein Riesenteil! Die letzten 20 km flach zur Transition Zone, ein bisschen Schnitt korrigieren, komme ich gerade so auf einen 30,8 km/h Schnitt. Gegessen habe ich gefühlt reichlich, so dass ich beim Laufen erst mal nur auf mich und meine Blase und die Blasen am Fuß hören muss.
Nicht die beste Idee mit neuen Schuhen - aber meine Rettung in Form von Anja, der Super Supporterin mit dem nötigen Pflaster-Equipment. Danke!

Erste Runde wird der Lagecheck auf der Laufstrecke gemacht, kein großer Anspruch, 5 km hin, 5 km zurück. Nach der ersten Runde fühlt es sich locker an. Mit grandiosem DJ im späteren Finishbereich geht es die 2. Runde motiviert los. Jetzt bin ich im Rennen angekommen, die Leute vor mir werden durchgereicht.
Runde 3 noch gut motiviert, dann geht auch meiner Duracell-Ladung so langsam der Saft aus. Ab hier ist es eh nur noch Kopfarbeit. Runde 4 - nur noch finishen. So komme ich zu kleinen Laufunterbrechungen und da die Laufstrecke immer voller wird, wird es auch noch das typische Zick-Zack-Laufen.

In der Erwartung, im Ziel nun doch Nerven zu zeigen und wieder anfangen, Tränen fliessen zu lassen - wir wurden alle nicht enttäuscht.

Danke ihr lieben und auch an Euch, die vielleicht noch mehr als ich an das Finish geglaubt haben! Ihr gebt mir immer wieder die nötige Kraft und ich tue es ja genau so für Euch!

Wir sehen uns dann wieder beim Ironman in Vichy, dann mit dem großen Familiensupport ;)

Bilder zum Beitrag

Getty Images for IRONMAN

Rollender Start - eines der besten Änderungen im Triathlon

Getty Images for IRONMAN

Getty Images for IRONMAN

Lange Steigungen beim Ironman Nizza

Getty Images for IRONMAN

Veranstaltungen zum Beitrag

Weitere Beiträge