Triathlon Magazin: Triathlon Rennberichte

Triathlet auf Abwegen - in München beim MTB rennen

Wenn aus Hr. Weber Sebastian wird, wenn aus Sport Freundschaft wird, wenn aus dem Stadtrad ein Cyclocrosser wird..

Habe ich doch heute ein sensationell schnelles und aufmunterndes Rennen bestritten, den CityBike Marathon in München. Ja, es war ein Mountainbike-Rennen und auf der 80 km Runde waren Cyclo-Crosser erlaubt.. Da lebe das Netzwerk, aus den „sozialen Kanälen“ wirklich viel gutes gelesen. Das self-made-Video eines Starters, der mit seiner Helmkamera bewaffnet seine Fahrt auf der Rennstrecke gefilmt und ins Netz gestellt hat.

Die Strecke ist eine im wahrsten Sinne des Wortes eine Marathon-Strecke, denn auf der Ackermannstrecke durch Schwabing ist auch der Münchner Marathon beheimatet. Auf dem Isarradweg Richtung Ismaning ist der Halbmarathon der Winterlaufserie und im Olympiapark selber, Austragungsort eines Halbmarathons..

Über 600 Starter, zu 99,9% Montainbikes bewaffnet, früh um 8.22 Uhr die ersten 7 km durch Schwabing auf gesperrten Strassen eskortiert.. Sensationell, auf der Straße durch die sonst mit Autos vollgestopften Stadt mit Tempo 37 km/h zu donnern und dann auf die Strecke an die Isar zu kommen.

In einer dichten Staubwolke verpackt – nein, nicht die vom Wüstensturm, dieses Peeling kam von den vielen Bikes vor mir – ging es auf den neu hergerichteten Radweg Richtung Norden, mit einem kleinen Abstecher auf Wurzel und Steinpfad.. aber alles ziemlich locker zu fahren. Bei den Kurven musste ich mit meinen dünnen Reifen ziemlich aufpassen, aber alles sehr rücksichtsvoll fahrende Mitstreiter und –innen. Habe mich auch in ein Gespräch verwickelt und schwupps, waren auch schon die ersten 25 km rum.. Und das hat sich richtig gut angefühlt, mit 125 Puls bin ich jetzt warm und gierig nach Tempo.. also ziehe ich dann mal los und lasse die Beine Richtung Fröttmaning rattern.. Den Fröttmaninger Berg - Erholungsgebiet mit einem 75m hohem Müllberg, welch’ Ironie? - sieht man als Münchener sonst ja oft nur von der Autobahn, aber diesmal fuhr ich direkt drauf zu und rauf ..
Ich musste wirklich mehr als innerlich grinsen, als doch die ersten MTB-Fahrer ihr gutes Bike geschoben haben? Naja, kann passieren .. dann aber unerwartet lautstarkes Publikum mit einer persönlichen Anfeuerung -

Jawohl, einer der Mut hat, mit dem Crosser hier zu fahren, das ist was zählt, Muskeln braucht man hier.. jawohl .. hopp, hopp..

Also, meine Schamröte habe ich in den Fahrtwind gesteckt und war richtig motiviert, hier am Berg über 150 Puls zu kommen und noch viele MTBs zu zersägen.. ok, Berg runter hatten mich viele wieder, weil ich als bremsende Wassermelone hier nicht schneller mag..

Gesscghafft, dann zur Allianz Arena, etwas neidisch kam der Zuruf, dass jetzt wohl „mein“ Terrain käme, ich wusste noch nicht was er meinte, weil die Strecke mir ab hier völlig fremd war. Er hatte aber recht, weil über Feldwege mit teil ziemlich festen und nur staubigen Belag zum schnell fahren einluden - Tempo 38 km/h über mehrere Teile und schwupps, schon in Oberschleissheim, aha, hier kommt man also raus.  

Allianz – ist ein gutes Stichwort - die habe ich mit einem erfahrenen ‚MTB-Hasen’ gebildet, der sich auf flachen Stücken „hinten reingehangen“ hat und bei den zick-zack-Passagen mir vorne den Weg signalisierte.. Sonst wäre ich sicher nicht so einfach gewesen, flüssig durch die teils verschlungenen Waldwegen zu heizen.

Am Verpflegungspunkt eine Flasche ergattert, darüber freue ich mich immer besonders, weil meist fallen die mir dort aus der Hand, es sind nicht immer so erfahrene „Flaschenreicher“ wie auf einigen Triathlon-Traditionsveranstaltungen zu finden, aber versuche das mal hinzubekommen, bei 25km/h jemanden ne Flasche aus der Hand zu reißen..

Auf dem Teil nach der 3 km übler Buckelpisten Passage, dann der anspruchsvolle Rillen- und Feldweg, da war er dann weg.. Konnte mich somit wieder auf mich konzentrieren und immer noch ordentlich überholen, anscheinend sind bei einigen hier schon die Lichter aus – komisch, ich habe da wohl noch ein paar Taschenlampen im Gepäck.

Plötzlich ruft da eine Stimme etwas und alle fahren dicht auf.. Äh, was? Murmel ich vor mich hin.. Neben mir wiederholte das gesagte: Absteigen! Ach, stimmt, das war die Nummer wo jeder mal zeigen konnte, wie gut man den Berg mit dem Rad auf’m Kopf erklimmen kann. Über einen historisch, besser gesagt absolut baufälligen Bahndamm, gewackelt und mit Mut dann senkrecht runter, jetzt schon im Olympiapark!

Der letzte Anstieg und gleich geschafft – eigentlich eine Blamage, dass ich 10 Jahre hier bin und noch nicht wirklich oben war – auf dem Berg im Olympiapark – check – nachgeholt und jetzt wieder runter.. ich werde doch nicht jetzt noch vom Bock fallen, das war sau knapp, aber irgendwie habe ich mich dann wieder auf das Rad gestaucht und rolle die letzten Meter ins Ziel ... und vielleicht könnt ihr den Sand auf den Zähnen beim Freudegrinsen sehen ..

Und die Belohnung – Top 100 Platzierung – auf den 75km Strecke (nachgemessen) habe ich doch tatsächlich nen 30er Schnitt geschafft, mein liebes Stadtrad, schön, heute darfst auch du noch duschen ;)

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