Triathlon Magazin: Mentaltraining

(c) Ironman

Kristin Möller europäsiche Vizemeisterin Ironman Frankfurt 2013

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Gefühle können viel über die körperliche Verfassung aussagen und sind für den Athleten ein wertvolles Instrument zur Beurteilung des Trainings. Es ist ein guter Gradmesser um festzustellen, ob das Trainingspensum, die Intensität und Erholung in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Im Idealfall ist der Athlet dann glücklich, freudig erregt und motiviert. Bei Ungleichgewicht drohen dagegen Frustration, Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit. Der Körper sagt einem meist genau, dass sich etwas ändern muss.

Weil der Körper während des Triathlontrainings kontinuierlich einer kräftezehrenden Belastung ausgesetzt ist, wird die physische Konstitution schwanken - von vollkommen energiegeladen bis komplett erschöpft. Die Emotionen entsprechen in der Regel der körperlichen Verfassung und so ist es möglicherweise schon während der Vorbereitung der Triathlonsaison - eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Eine solche Achterbahnfahrt erlebte auch Steve, ein begeisterter Breitensportler mit durchschnittlichen Leistungen, der für sein erstes Mitteldistanz-Rennen trainierte. In seinem ersten Jahr als Triathlet hatte er bereits an einer Reihe von Wettkämpfen über die Sprint- und olympische Distanz teilgenommen und über einen längeren Zeitraum ein Triathlon-Hoch erlebt – eine Phase, in der er eine ständige Begeisterung für sein Training und die Wettkämpfe empfand. Er ging mit einem Hochgefühl ins Bett und war nach dem Aufstehen begierig darauf, sich ins Schwimm-, Rad- oder Lauftraining zu stürzen. Und seine Fröhlichkeit durchdrang jeden Bereich seines Lebens.

In seiner zweiten Saison jedoch wurde sein Fahrstil etwas holprig. Zu Beginn des Jahres, nach einem dreiwöchigen Trainingsblock mit langen und intensiven Radeinheiten, war Steve nur noch unglücklich: Er war reizbar und niedergeschlagen und hatte einfach keine Freude mehr am Leben. Er hatte keinen Spaß mehr im Training und fragte sich, warum er noch so viel Zeit und Energie in den Triathlon steckte. Da eine Erholungswoche anstand, schraubte Steve sein Training zurück. Schon nach ein paar Tagen begann er, sich wieder gut zu fühlen, und am Ende der Woche kehrte seine Begeisterung für den Triathlon zurück. Steve erkannte, dass sich dieses Muster während der gesamten Saison fortsetzte, und er lernte, was es bedeutete und wie er damit umgehen musste.

Emotionen können auf unsere Trainingsintensität und auch auf unseren Stresspegel im Allgemeinen hinweisen. Negative Emotionen wie Frustration, Ärger und Melancholie treten eher auf, wenn die Intensität zu hoch ist. Wer gestresst ist, reagiert empfindlicher auf negative Emotionen und erlebt diese meist auch stärker. Ebenso sind negative Emotionen im Training oder Wettkampf wahrscheinlicher, wenn man außerhalb des Triathlons Stress hat. Die Belastungen im persönlichen, sozialen oder beruflichen Umfeld können für negative Erfahrungen im Sport anfälliger machen.

Ständiges hochintensives Training und Alltagsstress können das Immunsystem erheblich schwächen. Wird das Immunsystem mit den Trainingsansprüchen nicht mehr fertig, droht ein Übertraining und sogar ein körperlicher Zusammenbruch. Man fühlt sich permanent müde, bekommt nicht genug Schlaf, oder hat keine Lust und Kraft zum Trainieren; oder aber man wird krank und kann sich nicht richtig auskurieren, bzw. erleidet kleinere Verletzungen, die einfach nicht verheilen wollen. In jedem dieser Fälle wird man häufiger und stärker mit negativen Emotionen konfrontiert.

Wichtig hierfür ist zu erkennen, dass ein Zusammenhang zwischen der Physiologie (d.h. Erregungsniveau, Stress, Müdigkeit, Krankheit, Verletzung, Ernährung) und der Emotionen besteht. Wenn der Athlet körperlich widerstandsfähig ist, dann werden die Emotionen gut sein. Hat Ihr Körper mit etwas zu kämpfen, leiden darunter womöglich auch die Emotionen. Wenn jeder Athlet seine Emotionen als ‚Füllstandsanzeige’ für den physischen Zustand nutzt, kann er sich schneller körperlich wieder aufrichten und den negativen Gefühlen entgegenwirken.

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